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Lehrstuhl für Innovation, Neue Medien und Marketing
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Graduiertenkolleg "Betriebswirtschaftliche Aspekte
lose gekoppelter Systeme und Electronic Business"
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Promotion

 

Motivations- und Anreizsysteme in computergestützten Gruppen

 

Gegenstand und Zielsetzung der Arbeit


Anfang des 21. Jahrhunderts stellen virtuelle Teams einen festen Bestandteil organisationaler Arbeitsformen dar. Für viele Personalverantwortliche und Wissenschaftler stellt sich daher nicht mehr die Frage, ob computergestützte Arbeitsformen in tägliche Arbeitsprozesse eingebunden werden, sondern vielmehr, wie verteilt arbeitende Organisationsmitglieder motiviert werden können, um ein hohes Maß an Leistung zu erbringen (z.B. Geister, Konradt und Hertel, 2006). Als Managementmaßnahmen werden dabei verstärkt finanzielle Bonus- und Anreizsysteme eingesetzt, die die Produktivität von computergestützten Arbeitsgruppen steigern sollen (DeMatteo, Eby und Sundstrom, 1998; Honeywell-Johnson und Dickinson, 1999). In diesem Kontext legen empirische Querschnittstudien den Schluss nahe, dass gruppenbasierte Anreize die Leistung in organisationalen virtuellen Teams steigern (vgl. Hertel, Konradt und Orlikowski, 2004). Allerdings steht die Untersuchung der Auswirkungen und Effekte von gruppenbasierten Anreizen in computergestützten Gruppen unter kontrollierten Bedingungen bislang noch aus.


Daher wurde in diesem Dissertationsprojekt in zwei laborexperimentellen Kontrollgruppendesigns der Zusammenhang zwischen verschiedenen Verteilungsformen gruppenbasierter finanzieller Anreize (leistungsbezogene Verteilung vs. Gleichverteilung) und der Motivation der Teammitglieder sowie der Leistung, der Zufriedenheit und dem computervermittelten Kommunikationsverhalten als Outputgrößen computergestützter Teamarbeit untersucht. Darüber hinaus sollte durch die Berücksichtigung einer face-to-face Kontrollgruppe überprüft werden, welchen Einfluss die Virtualität auf die Effekte gruppenbasierter Anreizsysteme besitzt.


Stand des Forschungsprojektes


In Experiment I (N = 96 Individuen in 32 Gruppen) bearbeiteten die Gruppen jeweils zwei computergestützte Aufgaben (Brainstorming und Konsensfindung). Multi-Level-Analysen zeigen, dass Effekte verschiedener Verteilungsformen von Anreizen auf Individualebene vorhanden sind. So weisen gruppenbasierte Anreize Unterschiede in ihrer Wirksamkeit auf verschiedene Aspekte der Zusammenarbeit auf. Neben einer höheren Motivation zeigte sich insbesondere der erwartete Effekt, dass gleichverteilte Anreize zu einer signifikant höheren Zufriedenheit führten als leistungsbezogene Anreize. Hypothesenkonform wird der Einfluss gruppenbasierter Anreize auf die Leistung durch die Aufgabenfähigkeit bzw. Durchsetzungsfähigkeit der Teilnehmer moderiert. Zusätzlich ergab eine qualitative Inhaltsanalyse, dass gruppenbasierte Anreize zu einem kooperativeren und aufgabenbezogenen Kommunikationsverhalten führen.


In Experiment II (N = 219 Individuen in 73 Gruppen) bearbeiteten die Gruppen drei computergestützte Aufgaben (Brainstorming, Ziffernsortieren und Konsensfinden). Auch hier bestätigt sich, dass gleichverteilte Anreize zu signifikant höherer Zufriedenheit führen als leistungsbezogene Anreize und dass der Zusammenhang zwischen gruppenbasierten Anreizsystemen und Leistung durch personenbasierte Variablen wie Fähigkeiten moderiert wird. Außerdem kann gezeigt werden, dass gruppenbasierte Anreizsysteme bei hoch interdependenten Aufgaben einen Effekt auf computervermittelte Kommunikations- und Kooperationsprozesse besitzen.


Die erhaltenen Befunde weisen darauf hin, dass Anreizsysteme in computergestützten Gruppen sehr komplexe Wirkungen und Effekte besitzen. Für Personalverantwortliche legt dies den Schluss nahe, dass funktionale Wirkungen von gruppenbasierten Anreizsystemen bei verteilter Gruppenarbeit nur dann entstehen, wenn die spezifischen Charakteristika der Gruppenmitglieder wie z.B. ihre individuellen Fähig- und Fertigkeiten oder die Spezifika der zu bearbeitenden Aufgabe unter virtuellen Bedingungen berücksichtigt werden. Der Einsatz von Anreiz- und Motivationssystemen in computergestützten Gruppen führt daher nicht automatisch zu gesteigerter Effektivität, sondern kann bei unreflektiertem Einsatz auch dysfunktionale Folgen besitzen.


Gegenwärtiger Stand


Da die Datenerhebung vollständig abgeschlossen ist, werden zur Zeit die Daten des Experiments II ausgewertet und die Dissertationsschrift verfasst.

 


Literatur


DeMatteo, J. S. und Eby, L. T. & E. Sundstrom (1998):
Team-based rewards: Current empirical evidence and directions for future research. Research in Organizational Behavior, 20, 141-183.


Geister, S., Konradt, U. und G. Hertel (2006): Effects of process feedback on motivation, satisfaction and performance in virtual teams. Small Group Research, 37(5), 449-489.


Hertel, G., Konradt, U. und B. Orlikowski (2004): Managing distance by interdependence: Goal setting, task interdependence, and team-based rewards in virtual teams. European Journal of Work and Organizational Psychology, 13 (1), 1-28.


Honeywell-Johnson, J. A. und A. M. Dickinson (1999): Small group incentives: A review of the literature. Journal of Organizational Behavior Management, 19 (2), pp. 89-120.

 

 

Das Promotionsprojekt ist abgeschlossen.